Wie ich nach Japan kam und was dort alles auf mich wartete (Teil 3 - Nachtarbeit)



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Kurz nachdem ich anfing in der Investment firma zu arbeiten wurde mir auch klar warum ich den Job so einfach bekam. Die Firma war ein kompletter Scam.

(Ich habe versucht, die damalige Homepage online zu finden aber es scheint als waere sie geloescht worden. Allerdings habe ich aktuelle Jobangebote der Firma gefunden was heisst sie treiben immer noch ihre Machenschaften in Osaka...)

Ich war froh dass ich vorerst nur die Exceltabellen ordnen und die Kundendaten auswerten musste aber nach etwas mehr als einem Monat wurde der Boss immer komischer.
Er war von Anfang an etwas pervers und ging auf Treppen absichtlich immer hinter mir und machte Bemerkungen ueber meinen Hintern.
Ausserdem wollte er mich unbedingt von meiner Freundin weglocken und versprach mir sogar mir ein Apartment auf Firmenkosten zu besorgen. Ich lehnte dankend ab.
Eines Tages bestellte er mich in sein Buero und sagte er muesse mit mir reden.
Er sagte dass mir wahrscheinlich bereits klar sei dass die Vorgehensweise der Firma nicht 100% legal sei und sie auch schon einige male wegen Information-Fraud angezeigt wurden.
Warum er mir das erzaehlte, keine Ahnung. Aber er vertraute mir scheinbar.

Ausserdem liess er so ganz nebenbei verlauten ich solle doch "besser meine Freundin loswerden um noch bessere Gewinne zu erzielen". Er sagte sie "wuesste bereits zu viel" und wuerde mich nur daran hindern mehr in die Firma mit eingebunden zu werden...
Von da an war mir klar ich musste so schnell wie moeglich was anderes finden.
Am naechsten Tag fingen die beiden ausserdem an mir einzureden diese illegalen Telefongespraeche zu fuehren, in denen sie sich bei grossen Firmen als jemand anders ausgaben um Informationen ueber "Expatriats", also Auswanderer zu erschleichen um ihnen anschliessend durch ein Telefongespraech diese scam-Investmentplaene anzubieten.
Diese Masche wurde jedoch soweit ich mitbekommen habe meisst ziemlich schnell entlarvt und es war sehr schwer diese Informationen zu bekommen.
Deshalb wollten sie mich. Eine Frau. Weil man einer netten Frauenstimme weniger etwas abschlagen wuerde und so auch nicht sofort auf den Gedanken gekommen wuerde, dass etwas faul ist.
Einen Tag spaeter kuendigte ich fristlos.
Ich wuerde auf keinen Fall diese Telefonanrufe taetigen und mich somit strafbar machen.

Ich ging also heim und erzaehlte meiner Freundin alles.
Sie hatte schon vorher gesagt dass ich besser kuendigen sollte, als sie das mit den Telefongespraechen hoerte... und dass ich sie besser "los werden sollte".

Aber naja.... jetzt sass ich wieder in der Scheisse und hatte keinen Job mehr...

Ich hatte zwar mit den ersten woechentlichen Gehaeltern die Miete fuer einen weiteren Monat und etwas Geld fuers Leben beiseite gelegt aber laenger als einen Monat hatten wir nicht Zeit eine neue Loesung zu finden.
Naja, zumindest hatte ich nun auch wieder mehr Zeit zu feiern :P

Und das taten wir Gott sei Dank auch.
Denn eines Tages lernten wir einen total coolen Englaender kennen, der Alex hiess. Wir trafen ihn auf der Ebisubruecke, die zentral im Vergnuegungsviertel Namba liegt.
Dieser Alex hatte einen japanischen Freund, Mizuki, der damals kaum Englisch sprach und auch generell etwas komisch war. Aber nett. Dieser Mizuki, (mit dem ich nun immer noch Kontakt habe) war an dem Tag dabei als wir Alex kennenlernten und durch ihn hat sich unser Leben in Japan definitiv sehr zum Guten gewendet.
Trotz der Sprachbarriere hatten wir viel Spass zusammen und als Alex ein paar Tage spaeter abreiste und wir uns von ihm verabschiedeten gingen wir danach mit Mizuki Essen.
Mizuki war etwas anders als andere Japaner.
Er war ueberhaupt nicht schuechtern. Und als er von unserer Situation erfuhr fing er an ueberall, wo wir hinkamen nachzufragen ob nicht irgendjemand einen Job fuer uns haete.
Meine Freundin fand so eine Aushilfsstelle in einer Bar obwohl sie kein Visum hatte und so hatten wir wieder etwas Geld beiseite fuer die naechste Miete.


Da hatte ich Mizuki ne Schleife verpasst :)

Ganz rechts, das ist Mitsuki in einem Bild das viel spaeter entstand

(Mitsukis Blog findet ihr hier http://mimimituki.blogspot.jp
ich bin wirklich erstaunt wie hilfsbereit dieser Mensch ist und wie selbstlos er sich fuer Fukushima und die Opfer eingesetzt hat. Leider ist sein Blog komplett auf japanisch)


Eines Tages gingen wir, wie seitdem oefter wieder mit Mizuki essen und er sprach wieder einmal den Besitzer des Imbisses an ob er nicht einen einigermassen gut bezahlten Job fuer mich haette. Und da fing auch der ganze Spass erst richtig an.
Der Besitzer des Ladens sagte er kenne wen, der eine Bar besitze in der ich bestimmt auch sofort anfangen koenne. Damals hatte ich ja noch keine Ahung von japanischer "yoru no shigoto", was soviel bedeutet wie Nachtarbeit.
Ich vertraute dem Unbekannten also und wir willigten ein am naechsten Tag wieder vorbeizuschauen damit er uns dort hin bringen koennte.
Das war sozusagen mein 2. Jobinterview.
Wir kamen in der Bar an und der Besitzer, Ricky, war ueberraschenderweise halb Amerikaner weshalb er fliessend Englisch sprach.
Er brachte uns in die "Bar" und ich wusste ehrlichgesagt auf den ersten Blick nicht, was ich davon halten sollte. Es war etwas duester mit stimmungsvoller Beleuchtung und ca 15 Tische mit Sofas darum. Auf manchen der Tische sassen huebsch hergerichtete Maedls in langen Kleidern, die der maennlichen Kundschaft, die vor allem aus kleinen Gruppen von Anzugtraegern bestanden in einer Tour Alkohol einschenkten und mit ihnen ausgiebig flirteten.

So sehen diese Bars in etwa aus

Damals hatte ich noch keinerlei Ahnung was eine Hostesse ist aber das erfuhr ich im Laufe des Gespraeches.
Ricky erklaerte mir das Punktesystem des Clubs und dass man sich keinesfalls ausserhalb mit Kunden treffen muss falls man das nicht will. Ausserdem wird man nach der Arbeit in einem Kleinbus bis zur Tuer heimgefahren.
Es hatte also Gott sei Dank nichts mit Prostitution zu tun, was mir als erstes in den Sinn kam als ich die wunderschoenen auslaendischen Frauen mit den alten Herren flirten sah.
Allerdings war alles, was man tun musste, die Kunden zu unterhalten und mit ihnen zu singen und trinken.
Ausserdem sahen wir uns die "Showtime" an, wo ein paar sehr talentierte Poledancerinnen, die ebenfalls dort als Hostesse arbeiteten auftraten. Anfangs war ich etwas geschockt, da die Taenzerinnen sehr spaerlich bekleidet waren aber inzwischen habe ich mich daran gewoehnt und weiss jetzt auch dass das so sein muss, damit man nicht von der Stange rutscht. :)
Aber was soll man erwarten, ich hatte vorher noch nie einen Poledance gesehen.
Fuer mich war das jedenfalls nichts mit meinen Fettschwaten an allen Ecken :P

Ich erfuhr dass man dort stuendlich bezahlt wuerde, das Gehalt sich nach den Getraenken richte, die die Kunden fuer einen bestellen und man, wenn man genuegend Punkte in einem Monat habe, sich das stuendliche Gehalt erhoehe. Das begriff ich aber Anfangs recht wenig und ich war froh, wenigstens den Mindestsatz zu erhalten.

Ich fing also am naechsten Tag an dort zu arbeiten.
Obwohl ich fast kein Wort japanisch konnte (oder vielleicht gerade deswegen) war ich von Anfang an ziemlich beliebt bei den Kunden.
Ich wurde sehr oft an Tische bestellt, was mir pro Request wieder etwas an Bonusgehalt einbrachte.
Ich hatte davon allerdings nicht wirklich eine Ahnung und machte einfach die anderen nach.
Ich trank, sang, lachte mit den Kunden und hatte einen riesen Spass.

Ein Bild von meinem 23. Geburtstag ca. 2 Jahre nachdem ich
anfing als Hostesse zu arbeiten


Ich arbeitete dort ca 1,5 Monate und es machte mir riesigen Spass. Ich hatte sogar einige Freundinnen gefunden, eine Russin, Sofia und 2 Filippino-Maedls.
Ich hatte eine tolle Zeit dort...
Bis eines Tages mein damals noch-Ehemann dort auftauchte...

Anfangs hoerte ich nur lautes Geschrei von draussen und wir alle drehten uns um um zu sehen was dort vorging. Da sah ich auch schon meinen Ex, damals noch Mann, durch die Tuer stuermen und beim Vorbeigehen an der Bar ein paar Glaeser runter schmeissen. Ich dachte: jetz ist es vorbei... Jetz bringt er uns alle um.
Er war merklich auf Drogen und bedrohte meinen Boss ihm eine grosse Summe Geld zu zahlen oder er wuerde die Polizei rufen, was mein Boss aber schon von selber erledigt hatte.
Ein paar Minuten spaeter war die Polizei auch schon vor Ort und ganz nach japanischer Polizei-Manier machten sie nichts um die Lage zu entschaerfen. Typisch.
Sie sagten lediglich wir sollen uns doch in das Buero setzen und reden... super.
Das taten wir dann auch und die Polizei verschand, den wuetenden Halbaffen zuruecklassend...

Ricky bot ihm an, sofort 500 Euro zu bezahlen, damit er verschwinde, den Rest sollten wir gefaelligst ausserhalb seiner Raeumlichkeiten regeln. Gesagt getan. Er haute mit den 500 Euro erstmal ab und ich war gefeuert.... und zu allem ueberfluss wurden die 500 Euro mir natuerlich vom Gehalt abgezogen... somit hatte ich wieder fast kein Geld und konnte die Miete fuer den nachsten Monat nicht zahlen...
Das Geld vom Aushilfsjob meiner Freundin reichte nicht aus und wir hatten gerademal genug fuer die naechsten 2 Wochen leben und die Strom und Wassergebueren...
Wieder steckten wir also in der Klemme und waren erneut am Anfang angelangt.
Ein nie-endenwollender Teufelskreis....


Weiter gehts im naechsten Post :)

Ich hoffe ihr habt Spass beim Lesen und wenn ihr wollt, koennt ihr meine Posts per Mail abbonieren, sodass euch keiner der Teile entgeht :)



Rinchan's Welt

Mein Name ist Rin, ich bin 25 Jahre alt und moechte euch in diesem Blog einen kleinen Einblick in mein Leben in Japan geben. Viel Spass beim Stoebern und mehr ueber mich findet ihr bei "About me".

Kommentare:

  1. Oh neinneinneinn warum hörst du immer dann auf, wenns spannend wird??? =( ich hab doch so sehnsüchtig gewartet^^

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    1. :D Das liegt daran, dass alles so verdammt spannend ist und ich beim zurueckdenken so euphorisch werde dass ich glatt nen Roman verfassen wuerde :D Nur wirds dann zu lang zum Lesen :P

      LG Rin

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Deine Geschichten packen mich total. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Und ich ziehe meinen Hut vor dir, was du alles schon in deinen jungen Jahren erlebt hast.

    Liebe Grüße :)

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    1. Danke, das freut mich :) Ich versuche immer moeglichst schnell weiter zu schreiben aber es dauert doch immer etwas... aber so habe ich wenigstens laenger meinen Spass damit, mich zurueck zu erinnern :D

      LG

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    2. Danke, das freut mich :) Ich versuche immer moeglichst schnell weiter zu schreiben aber es dauert doch immer etwas... aber so habe ich wenigstens laenger meinen Spass damit, mich zurueck zu erinnern :D

      LG

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